Rosige Zukunft?
— Taddeo Motta



In der Serie Black Mirror wird eine mögliche Zukunft abgebildet, in der sich Protagonist*innen mit alltäglichen Problemen auseinandersetzen. Genauer gesagt fokussiert sich die Serie auf die technischen Entwicklungen und medialen Einflüsse einer möglichen Zukunft. Die imaginierten neuen Technologien sind jedoch nicht beliebig gewählt, sondern lehnen sich stark an bereits existierende an.
In der Folge «Das transparente Ich» geht es um ein Gadget, das einem erlaubt, bereits erlebte Geschehnisse zu einem späteren Zeitpunkt nochmals anzuschauen. Dieses Zubehörgerät wird «Grain» genannt und ist ein hinter dem Ohr eingesetzter Chip, der alles filmt, was man mit den Augen sieht. Meines Erachtens lehnt sich diese filmerische Idee stark an der Erfindung der sogenannten Smart-Glasses an, die von verschiedenen Unternehmen – beispielsweise Google – präsentiert wurden.

Ilustration    Taddeo Motta

Ich behaupte, dass die Macher*innen der Serie eine spezifische Designmethode anwenden, und zwar die des spekulativen Designs.
Das Ziel der Serie ist die Zuschauer*innen zu einer kritischen Reflexion über den gegenwärtigen Alltag zu provozieren. Nun stellt sich die Frage, was diese Methode eigentlich genau beinhaltet und wieso sie angewendet wird.  Auch Unternehmen haben sich dieser Methodik bedient, um etwa Innovationsraten zu verbessern oder den Gewinn zu optimieren. Ich glaube, ein wichtiges Erkennungsmerkmal an speculative Design ist, dass es sich mit grossen und kaum bewältigbaren Problemen auseinandersetzt. Es geht weniger darum, eine mögliche Lösung für ein Problem zu finden, sondern vielmehr darum, auf eine Problematik aufmerksam zu machen. So werden Zukunftsszenarien entwickelt, in denen eine aktuelle Problematik auf die Spitze getrieben wird, um anhand dieser «Simulation» eine kritische Reflexion zu provozieren. Zum Beispiel werden im Bereich des Klimaschutzes oft schockierende Zukunftsbilder mit der Absicht erschaffen, dass die Menschen ihr aktuelles Verhalten gegenüber der Umwelt kritisch betrachten.

Ilustration    Taddeo Motta

In der oben genannten Black Mirror Folge wird genau ein solches Zukunftsbild erschaffen. In der Folge geht es um eine Beziehung, die aufgrund eines Seitensprungs auseinandergeht. Der betrogene Partner findet mit dem Gebrauch dieses «Grains» immer wieder mehr Anzeichen, dass seine Partnerin ihn betrogen hat. Nach der Trennung verlässt die Frau das Haus und der Mann ist alleine. Jetzt braucht er dieses «Grain» um der Einsamkeit zu entkommen. Ersichtlich wird dies in der Szene in der, der Protagonist die Zähne putzt und sich im Gleichtakt das Video abspielen lässt, in dem seine Frau neben ihm steht und mit ihm Zähne putzt. Ich bin der Meinung, dass in dieser Folge die Sucht oder das Verlangen, alles Erlebte bildlich zu verewigen, veranschaulicht wird. Diese Obsession ist ja bereits heutzutage ein Thema in den Sozialen Netzwerken, in denen Erinnerungen dokumentiert werden, um sie später anzuschauen. Natürlich geht es in den Sozialen Netzwerken auch darum, sich möglichst von der besten Seite zu präsentieren. Mit dieser Selbstdarstellung suchen die User Bestätigung von ihren Followern. Auch auf dieses Verlangen nach Bestätigung wird in einer Szene angespielt. Die Protagonist*innen projizieren dabei ihre schönsten Erlebnisse and die Wand, um damit positive Reaktionen zu provozieren. In diesen zwei Szenen wird ersichtlich, dass dieses «Grain» die Rolle des fiktiven Elements, das man in dieser spekulativen Designmethode braucht, einnimmt.

Ilustration    Taddeo Motta

Black Mirror hat bewusst ein Thema genommen, das auf der emotionalen und persönlichen Ebene agiert, um die*den Zuschauer*in anzusprechen. Ausserdem schafft es Black Mirror, mit den emotionalen Themen die Fiktion greifbarer zu machen, weil somit nicht die futuristische Technik im Vordergrund steht, sondern deren Auswirkung. Die Auswirkung davon ist im Vergleich zur Technik etwas schon Bestehendes in unserer heutigen Gesellschaft. Wenn alles nur Fiktion wäre könnte man den Bogen zur Gegenwart nicht schliessen und man würde es als pure Science-Fiction anschauen.


QUELLEN Rene Schäfer. 2014. Design Fiction: Sozialwissenschaftliche Zukunftsforschung, Schriftenreihe 01/14. Institut Futur, freie Universität Berlin. S.4 Rene Schäfer. 2014. Design Fiction: Sozialwissenschaftliche Zukunftsforschung, Schriftenreihe 01/14. Institut Futur, freie Universität Berlin. S.8 Noteworthy Journal Blog, The.
(aufgerufen am 12. Mai 2020)
Black Mirror and the Power of Speculative Design | SXSW 2019. Casey Hudetz. 15. März 2019. (aufgerufen am 12. Mai 2020). Page Online. Page Online/Kreation. Page Redaktion, 2017: Was ist eigentlich Speculative Design.
(aufgerufen am 12. Mai 2020)
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